Airports Law

In der Frühzeit des Hashtags #GamerGate prägte eine Twitternutzerin namens Airport das nach ihr benannte Gesetz. In jugendfreier Form wiedergegeben besagt es, dass jeden Tag ein Mann mit Hipsterbart irgendwo auf der Welt über #GamerGate lästert, in der Hoffnung, sich die körperliche Gunst einer bunthaarigen Feministin zu sichern. Für den 28. August 2015 hat diese Aufgabe der luxemburgische Blogger Sven Wohl übernommen. In seinem Blogeintrag „Sturm im Twitterglas“ schreibt er folgendes:

„Neben den rechtsextremen Inhalten, denen man aktuell in den sozialen Netzwerken begegnet, hat sich im vergangenen Jahr auch noch eine andere Dimension rechten Gedankenguts der sozialen Medien bemächtigt. Im Kluturbereich [sic] machen sich diese Aktionen durch ihre Lauthälsigkeit bemerkbar.“

Die Zahlen, die das untermauern würde ich zu gerne sehen. Bevor jemand mich oder eine Revolte, deren Teil ich bin, in die Nähe von Rechtsextremismus rücken darf, sollte er ein paar Fakten präsentiert haben, die seine Einschätzung bestätigen.  Um es vorweg zu nehmen, Wohl präsentiert keine einzige Quelle für die Behauptungen in seinem Text. Allerdings verlinkt er einen Artikel auf der extrem linken Seite salon.com, die vom ersten Tag an Unwahrheiten über #GamerGate verbreitet hat. Selbst wenn man die Meinung einer solchen Quelle teilt, sollte man sich bewusst sein, das man eine Mischung aus Journalismus und Propaganda vor sich hat und den Inhalt entsprechend kritisch bewerten. Medienkompetenz!

Feministophobie

„Selbst wurde ich bereits mehrmals von GamerGatern, die sich von jeder im geringsten Maße feministischen Idee bedroht fühlen, auf Twitter angegriffen.“

Waren das mit der Angst vor der kleinsten feministischen Idee die gleichen #GamerGater, die geholfen haben 70.000 Dollar für ein von Frauen produziertes Spiel aufzubringen? Was ist mit den Frauen, die sich an #GamerGate beteiligen? Fühlen die sich auch vom Feminismus bedroht?  Das der Autor auf Twitter angegriffen wurde, tut mir leid. Es kommt allerdings immer darauf an, wie man in den Wald hineinruft, wenn man ein Gespräch mit einer Prämisse wie zum Beispiel „Ihr seid eine Hassgruppe!“ beginnt, wird es nicht schwer fallen, in den Antworten eine scheinbare Bestätigung für die eigene Hypothese zu finden.  In Wirklichkeit hat man es meist mit Menschen zu tun, die seit einem Jahr immer die gleichen Vorurteile vorfinden, welche nicht die Wirklichkeit der Unterstützer des Hashtags wiederspiegeln. Ich heiße es nicht gut, kann aber verstehen, wenn Menschen da gereizt reagieren.

Wenn der Autor des Blogposts Interesse an einer echten und fairen Diskussion hat, wir können gerne ein Gespräch führen und beiderseits einen Artikel daraus machen. Mein Ziel ist der Dialog.

Zirkelschluss

„Dabei verhalten sie sich so, dass man sie gerne mit einem Hassmob verwechselt: Sie greifen jeden an, der eine konträre Meinung hat. Dass man sie mit einem Hassmob verwechselt könnte natürlich auch einfach daran liegen, dass sie ein Hassmob sind.“

Der Autor bleibt bei der Form der Angriffe leider sehr vage. In letzter Zeit hat sich ja leider unter den Vertretern progressiver Ideen der Gedanke durchgesetzt, schon höfliches aber bestimmtes Kritisieren sei „Harassment“. Ich habe in der letzten Woche ein vierstündiges Gespräch mit einer klar gegen #GamerGate eingestellten Person auf Twitter geführt und nicht ein einziges mal auf Beschimpfungen oder Drohungen zurückgegriffen. Wir konnten uns nicht einigen, aber wir haben ein zivilisiertes Gespräch geführt. Allein dieser anekdotische Beweis reicht, um die aufgestellte Behauptung, #GamerGate greife jeden an, der eine konträre Meinung vertrete, zu entkräften.

Make Love, not War!

„Unterm Strich denke ich, dass man solche Bewegungen zwar ernst nehmen und bekämpfen sollte. Aber man sollte solche Twitterbewegungen nicht überbewerten: Was in einem Netzwerk massiv aussieht, kann in Wirklichkeit nur eine kleine Gruppe sein.“

Zum Jahrestag hat das #GamerGate subreddit „KotakuinAction“ die 50.000-User-Marke überschritten, die Zahl der gerade aktiven User liegt meist zwischen ein- und zweitausend. Global mögen das nicht viel sein, aber die Ideen breiten sich jeden Tag weiter aus. Jeden Tag sind mehr und mehr Menschen auf der ganzen Welt über Schwarze Listen, Internet-Shaming und Nonsens wie „Manspreading“ empört. Leider bleibt der Autor wie bei fast allen Punkten auch bei der Art, in der die Unterstützer von #GamerGate bekämpft werden sollen vage. Wie das in der realen Welt aussieht haben wir ja bei SPJAirplay gesehen oder bei #GGinDC (soviel auch zu der Behauptung, #GamerGate habe keine Auswirkung außerhalb des Netzes), die beide durch Bombendrohungen beendet wurden. Zuvor hatten Gegner des Hashtags in beiden Fällen versucht, die Besitzer der Veranstaltungsorte unter Druck zu setzen, damit sie die Konferenz bzw. das Treffen absagen.

In der Zusammenfassung ist „Sturm im Twitterglas“ ein viel zu kurzer und oberflächlicher Artikel für ein so komplexes Thema, die einseitige Betrachtung ohne Quellen oder Beispiele lässt mich vermuten, das ich es mit Propaganda zu tun habe. Und unfundierte Propaganda hilft in einer so aufgeheizten Diskussion leider gar nichts, sie gießt nur Öl ins Feuer. Ich schreibe hier auch aus der Sicht eines Unterstützers, bemühe mich aber, meine Texte mit Quellen und Erklärungen zu versehen damit sich der geneigte Leser ein eigenes Bild machen kann. Nur so kann ein fruchtbarer Dialog zwischen beiden Seiten stattfinden, alles andere ist das Internet-Äquivalent zu Menschen, die sich gegenseitig anschreien ohne sich zuzuhören. Und so sind wir schließlich überhaupt erst in diese missliche Lage geraten.